Transformation und Leadership

Claus Seit langem beobachte und beschreibe, analysiere und erkläre ich aus journalistischer Perspektive Veränderungsprozesse in Gesellschaft und Wirtschaft – wie zum Beispiel die industrielle Transformation. Letztere gelingt unterschiedlich gut. Denken wir zum Beispiel an die Energiewende oder den Umstieg auf Industrie 4.0: Inwiefern entscheiden die Fähigkeit der Verantwortlichen, ganzheitlich zu führen, sowie die Kultivierung einer guten Kommunikations- und Teamkultur über den Verlauf und Erfolg derartiger Transformationsprozesse?

Patrick: Die von Dir angesprochenen Themenfelder sind für den Erfolg entscheidend und haben eines gemeinsam: liebgewonnene Denkmodelle und Vorgehensweisen müssen vielfach aufgegeben und durch andere Denkweisen und Konzepte ersetzt werden.

Claus: Das klingt einfacher als es ist….

Patrick: Ja, das ist für alle Beteiligten herausfordernd und oftmals verunsichernd. Tatsache ist: um derartige Transformationen umzusetzen, braucht es mehr als nur ein paar neue Maschinen, gute Worte oder Prozeßanpassungen. Um erfolgreich zu sein, sind tiefgreifende Paradigmenwechsel notwendig! – Genau diese aber fangen in den Köpfen aller Akteure an! – Geschieht dies nicht, so belegen aktuelle Untersuchungen – ist die Quote an gescheiterten Projekten erschreckend hoch. In der Konsequenz heißt das: Jedes missglückte Veränderungsprojekt vernichtet viel Kapital und hinterlässt negative Spuren in der Erfahrung aller Beteiligten.

Claus: Heißt das, die angestrebte Transformation und ihr Sinn müssen erläutert und die sozialen Organisationen klug durch diesen Prozess geführt werden?

Patrick: Ja, denn die Realisierung derartiger Veränderungen bedingt tiefgreifende Eingriffe in den Alltag jeder Organisation und ist meist äußerst anspruchsvoll. Organisationen müssen durchgängig ihr Tagesgeschäft leisten und zeitgleich vieles weitreichend verändern. Dies setzt ein hohes Maß an Führungsqualität, Erfahrung und Weitsicht voraus. Selten kann das aus eigenen Ressourcen geleistet werden. Aus diesem Grunde entscheiden sich viele Organisationen, hierzu qualifizierte Change Begleitung an Bord zu nehmen, die nicht nur fachlich berät und unterstützt, sondern im ganzheitlichen Sinne die Führungsmannschaft fit macht, damit diese ihren neuen Rollenanforderungen gerecht werden kann.

Claus: Wie gestalten externe Change-Begleiter einen Transformationsprozess erfolgreich?

Patrick: Stell Dir ein Szenario vor, in dem Führungskräfte zunächst ihre Teams mit der gemeinsamen Vision, wie auch ihren praktischen und ethischen Grenzen – zum Beispiel bei KI Einführung – inspirieren. So wird ein Umfeld gefördert, in dem von vornherein offene Kommunikationskanäle etabliert werden: Unterschiedliche Perspektiven können gehört und Anregungen aus der Mitarbeiterschaft in die Strategiefindung einbezogen werden. Für die Experten unter den Lesern: Konzepte, wie etwa die ‚Lernender Organisation‘ oder Aspekte aus dem Klassiker ‚Theory U‘ geben hier wertvolle Anregungen. Mit Blick auf die Mehrheit der Beteiligten wächst die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen und proaktiv Verbesserungspotentiale aufzuzeigen. Auf diese Weise entstehen an vielen Stellen Teams, in denen Vertrauen, Kreativität und Synergien zwischen den einzelnen Mitarbeitern gefördert werden. Innovation und Weiterentwicklung etablieren sich so im Laufe der Zeit als Unternehmenskultur.

Claus: Es braucht also Vertrauen, Ermutigung und Inspiration. So wie Antoine de Saint-Exupéry gesagt hat: Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer…

Patrick: Ja, genauso ist es. Es geht um eine gemeinsame Vision, und gemeinsam begeben wir uns auf den Weg, diese Vision zu entwickeln und in Projekten umzusetzen. Wir wollen gemeinsam ein Ziel erreichen.

Claus-Peter: Für Betroffene von gescheiterten Transformationsprozessen klingen Deine Worte vermutlich unglaublich und im besten Falle faszinierend. Bitte erkläre mir, warum und wie diese miteinander verwobenen Elemente zum Erfolg derartiger Transformationen beitragen?

Patrick: Der Zauber liegt im Zusammenspiel von Führung, Ethik, Kommunikation und Teambildung, verbunden mit geeigneten Methoden und gezielten Weiterbildungen. Wenn Führungskräfte ethische Werte vorleben, ein Rollenverständnis als ‚dienende Leiter‘ tatsächlich praktizieren und so zum Beispiel eine transparente Kommunikation ermöglichen, dann schafft dies solide Grundlagen für eine verantwortungsvolle Entwicklung und Einführung der neuen Technologien und Denkweisen. Die Etablierung einer inspirierenden Kommunikationskultur hat dabei eine zentrale Bedeutung, da sie sicherstellt, dass alle Beteiligten die Vision, die Ziele und die Werte verstehen. Durch gemeinsame Ziele verstärken Teams Innovation und Zusammenarbeit, was zu Lösungen führt, die gesellschaftliche Bedürfnisse erfüllt und gleichzeitig die Risiken minimieren.

Claus: Dies erscheint wie ein kompliziertes Geflecht aus Führung, Werten, Kommunikation und Teambildung, das den Verlauf derartiger Transformationen prägt. Was müssen Manager konkret tun, um ihr Unternehmen und ihr Team erfolgreich durch derartige Entwicklungen navigieren zu können,  – um bei der Sehnsucht nach dem weiten Meer zu bleiben?

Patrick: Manager sind dafür verantwortlich, daß eine Kultur der offenen Kommunikation und Motivation entstehen kann, in der Ideen frei fließen und jeder eine Stimme hat. Mit Blick auf ihre Teams besteht eine wesentliche Aufgabe darin, ein wertegeprägtes Umfeld zu fördern und Mitarbeiter zu befähigen, verantwortungsvolle und ganzheitliche Entscheidungen eigenverantwortlich zu treffen. Auf diese Weise werden Manager zu Persönlichkeiten, deren primäre Aufgaben darin bestehen, zu moderieren, anzuleiten, Steine aus dem Weg zu räumen und sicherzustellen, dass es zu keinen technisch-fachlichen Bruchlinien mit anderen Teams und Abteilungen kommt. Fachlich qualifizierte Teams gilt es, in ihrer Zusammenarbeit weiterzubringen und ihnen realisierbare Ziele aufzuzeigen. Bewährt hat sich dabei, dass versierte Coaches oder Mentoren von außerhalb in diesen Transitionsprozess einbezogen werden, die über ausreichende breite Führungs- und Methodenerfahrung verfügen. Mit derartig mehrdimensionalen Ansätzen können Manager das wahre Potenzial der eigenen Organisation heben, es in Mitarbeitern, Produkten und Produktion freilegen und so den Weg in eine Zukunft ebnen, in der werteorientierte Effizienz, Innovation und Exzellenz die eigene Organisation prägen.

Claus: Mit Verlaub, das klingt sehr theoretisch. Kannst Du das bitte an einem Beispiel konkretisieren, wie dies praktisch aussieht …

Patrick: Gerne! Lass mich das Ganze an einem selbsterlebten Fall deutlich machen: Der Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens hört auf einen seiner Junior Mitarbeiter und dessen Anregung, Deep-Learning basierte Produkte zu entwickeln, zu produzieren und später zu vermarkten. Statt dies abzutun, auf mögliche Risiken zu verweisen oder das Ganze zu ignorieren, gibt er zunächst dem Mitarbeiter Raum seine Ideen weiter zu konkretisieren, unterstützt ihn in diesem Prozess und protegiert dessen Arbeit vor Dritten. Er bezieht schrittweise die eigene – teilweise recht kritische – Führungsmannschaft mit ein und leistet Überzeugungsarbeit, dafür weitere Schritte in der eigenen Organisation zu gehen. Langsam entsteht eine Offenheit unter den Skeptikern, die sich schrittweise in aktive Unterstützung des KI Projektes verwandelt. Das hier beschriebene Fallbeispiel fand mit gelegentlicher Unterstützung des Geschäftsführers durch einen externen Mentor statt. Es gab dem Geschäftsführer die Chance, die eigene Vorgehensweise mittels einer externen Person zu reflektieren und dessen Expertise im Sinne eines Soundingboards zu nutzen.

Claus: Und wer beweist nun Leadership? Der externe Mentor, weil der – wie ein Lotse – den Überblick und die Erfahrung hat, oder der Geschäftsführer, der die eigenen Grenzen kennt, und einen Partner sucht, um diese zu überwinden?

Patrick: Leadership ist eine erlernbare Fähigkeit, Mitstreiter oder ganze Teams – auch im außerberuflichen Kontext – zu motivieren und dafür zu sorgen, dass Sie über sich selbst hinauswachsen. Kurz: eine Rolle, die derjenigen eines guten Mannschaftscoachs im Sport sehr nahekommt. Und der gute Mannschaftscoach weiß, dass er selbst einen guten Coach braucht, um diese essentielle Fähigkeit zu erlernen.

ClausDu, Patrick, siehst Dich als Lotse, der das Management durch einen Veränderungsprozess führt. Nenne mir bitte drei Leitfragen, mit deren Hilfe Du auf Deine Art spezifisch, anspruchsvoll und vor allem erfolgreich warst?

PatrickIch nenne beispielsweise die Aus- und Weiterbildung von Leitern: Wie bildet man gestandene Leiter aus ganz unterschiedlichen Hintergründen und Organisationen so weiter, dass sie nicht nur Methoden und Techniken erlernen, sondern ihre eigene Einstellung reflektieren und ein persönlicher Transformationsprozess angestoßen wird?

Es hilft, den Horizont zu erweitern. Als akademischer Ausbilder gerade auch außerhalb des eigenen Kulturkreises kann man über den eigenen Tellerrand schauen. Trotz ähnlicher Inhalte bilden andere Kulturen oftmals anders aus, als wir es tun. Wie lässt sich daher eine kulturelle Synthese aus Best Practices mit dem zu vermittelnden Lehrstoff so kombinieren, dass die Mehrzahl der Studenten nicht nur fit für eine theoretische Prüfung sind, sondern eigenverantwortliches und ganzheitliches Handeln in ihrem Fachthema erlernen?

Große weltweit agierende Organisationen sind faszinierend, aber oftmals in ihren Arbeitsmethoden ineffizient und aufgrund langer Prozesswege nicht sehr innovationsfreudig. Wie lassen sich Produktionsprozesse so transformieren, dass die Qualität deutlich steigt, zugleich aber Entwicklungskosten und -dauer reduziert werden? Welche Rolle spielen dabei Agilität, Ganzheitlichkeit und  Teamentwicklung?

ClausPatrick, wo kann ich mehr über Deine Arbeit erfahren?

Patrick: Ich habe an verschiedenen Hochschulen gelehrt, über längere Zeit für einen global Player gearbeitet und viele Leadership Trainings abgehalten. Hier ist ein Link, der zu Informationen über mich und meine Arbeit führt……   Wichtig ist aber eines: Da ich selbst ein Teamplayer bin, sind derartige Projekte nur dann erfolgreich, wenn engagierte Mitstreitern in solch einem Team mitspielen.