Transformation und Ethik

Warum wir viel mehr über die Neuverteilung von Arbeit zwischen Mensch & Technik reden sollten.

Claus: Reden wir mal nicht über große Themen wie das Internet of Things oder KI, sondern nur über Intelligente Technik. Müssen wir allein schon deretwegen über eine andere Arbeitsteilung zwischen Mensch und Maschine nachdenken?

Patrick: Ich stelle Dir eine Gegenfrage: Wann warst Du das letzte Mal über ein technisches Handbuch frustriert, welches Dir eine neue Waschmaschine, Heizung oder ein anderes technisches Gerät erklären sollte? Lupenrein und juristisch korrekt wurde Dir dort erklärt, dass alle gesetzlichen Regularien erfüllt seien und welcher Knopf in welcher Reihenfolge zu bedienen sei. Aus Engineering Sicht sind diese Abhandlungen vollständig und korrekt, da jeder Schalter und jede Funktion genau beschrieben wurden. Für Dich als Nutzer ist aber nicht die Auflistung aller denkbaren Funktionen wichtig, sondern Du möchtest mit diesem Gerät ein Problem lösen ohne vorher Technikexperte werden zu müssen. Um diesem Problem Herr zu werden, setzt sich langsam ein neuer Begriff durch: „Usercentric Experience“: Der Anwender, dessen Bedürfnisse und Anwendungsfälle stehen im Mittelpunkt!

Claus: Ach wirklich? Da sehe ich als Kunde und Nutzer noch viel Potential….

Ja, Hand aufs Herz: Wie oft findet sich – z.B. im beruflichen Alltag – eine derartige „User Experience“? In meiner Tätigkeit als Berater habe ich erschreckend oft zu hören bekommen, dass Anwender – eher Buschkriegern gleich – auf obskuren Pfaden Abkürzungen nehmen, weil die vorhandene Technik lückenhaft oder viel zu umständlich ist: Statt Arbeitsvereinfachung müssen mehr Prozesse oder Dokumentationspflichten verbindlich eingehalten werden …. Mit Blick auf Deine Eingangsfrage: Wird hier Informationstechnik menschenkonform eingesetzt oder wird der Mensch technikkonform gemacht?

Claus: Stimmt. Das frage ich mich auch häufig, etwa wenn immer mehr IT ins Auto einzieht, und man mehr Zeit auf den Bildschirm blickt als auf die Straße. Aber welche Konsequenz ziehen wir hieraus – nicht nur beim Autofahren, sondern im Großen und Ganzen?

Patrick: Mit dem Beginn der Zweiten Industriellen Revolution vor über 100 Jahren zogen Eingangs- und Ausgangskörbchen in viele Büros ein. Heute stehen rechenstarke Computer auf den Schreibtischen und nicht länger Körbchen. Der Mensch ist in seiner Rolle avanciert oder vielleicht auch degradiert, hat einen genau umschriebenen Rollenauftrag und kümmert sich in vielen Fällen nur noch um das, was der Rollenauftrag ihm zubilligt. Dabei bleiben für viele oftmals Mitdenken oder Eigenverantwortung zurück. Immer beliebter wird die Aussage: „Dafür bin ich nicht zuständig!“ – Mit Blick auf diesen realen Alltag: Ist die Arbeitsteilung zwischen Mensch und Maschine wirklich bis zu Ende gedacht? Manchmal schleicht sich bei mir der Gedanke ein, dass wir zwar hochmoderne EDV Anlagen einsetzen, aber immer noch in einer Zeit leben – ähnlich wie vor gut 100 Jahren – in der Sachbearbeiter einen Zettel aus dem nun digitalen Eingangskörbchen entnehmen, die geforderte Aufgabe bearbeiten und dann via digitalem Ausgangskörbchen, an einen ebenso digitalen Laufburschen übergeben. Wenn sich jedoch Gesellschaft und Industrie verändern sollen, so braucht es mehr als nur die direkte Übertragung menschlicher Aufgaben auf digitale Repliken.

Claus: Also lösen wir uns radikal vom Denken in alten Bildern und entwerfen die Welt um uns als Menschen herum auf einem weißen Blatt neu?

Patrick: Es braucht Menschen, die gelernt haben, bestimmte Tätigkeiten an technische Geräte zu delegieren, um so Freiräume für neue Gedanken, Ideen und Vorgehensweisen zu schaffen. – Hier fängt für mich digitale Revolution an: nämlich in Kopf und Haltung der Beteiligten.

Claus: Aber selber denken und handeln! Darf ich das?

Patrick: Viel zu oft – obschon seit langem überholt – gilt immer noch das Geschäftsmodell von Henry Ford: Ich will Deine Hände aber nicht Dein Mitdenken. Ich gebe zu, dass ich bewusst überzeichne. Aber Du hast recht mit Deiner Frage: schau Dich einmal in unserer Wirklichkeit um. Wie oft stoßen wir auf Menschen, die eine Rolle ausüben und uns sehr schnell dann sagen, dass dieses oder jenes außerhalb der eigenen Rollenkompetenz sei, man daher für das angefragte Thema nicht zuständig sei, und im Übrigen man ohnehin nicht wisse, wie dort die Prozesse ablaufen. Aber wenn wir echte Transformation wollen, so braucht es Menschen auf allen Ebenen der beruflichen oder gesellschaftlichen Hierarchie, die aktiv Denken und nicht nur ein kleines Rädchen im großen Prozessgetriebe sind. 

Claus: D’accord! Aber wie erkläre ich das meinem Chef?

Patrick: Wenn wir etwas verändern wollen, so müssen wir als Erstes die Beteiligten bei Ihrem Denken und Handeln anpacken und auf diesem Wege Veränderung vorbereiten. Ohne an dieser Stelle auf die Für- und Wider agiler Handlungsmodelle eingehen zu wollen, möchte ich daher eine weitere Größe ins Spiel bringen: persönliche Reife, verbunden mit ethischem Verhalten. Wenn wir echte Transformation in Gesellschaft, Wirtschaft oder auch Wissenschaft anstreben, so brauchen wir denkende Menschen, die bereit und fähig sind, bedacht, integrativ und ethisch verantwortlich zu handeln. Verzichten wir darauf, so begegnet uns schnell Goethes Faust mit seinem Zauberlehrling: vieles ist machbar – manches ist kontraproduktiv oder in manchen Fällen sogar selbstzerstörerisch. Dies ist dem Sinne nach eine Erkenntnis, die Einstein formulierte, nachdem aufgrund seiner eigenen Arbeiten die Atombombe erst möglich wurde. Von daher brauchen wir – mehr denn je – für diese Zeit des Wandels Personen, die in der Lage sind, ethisch begründete Entscheidungen inmitten eines datengesteuerten industriellen Wandels anzugehen und diese in einem größeren –systemweiten Kontext – zu bewerten.

Claus: Ja, der Zauberlehrling, der einen Besenstil mit einem magischen „Code“ gleichsam programmiert Wasser zu holen und damit eine Überschwemmung auslöst. Als der Lehrling den Besen stoppen will, indem er ihn niederwirft, zerbricht der Stab, und nun schaffen zwei nicht mehr steuerbare Besenstile immer mehr Wasser herbei. Gothe schrieb das Gedicht 1797. Die Verantwortlichen in Unternehmen, Gesellschaft und Politik hatten also lang genug Zeit, die Verse nicht nur zu lesen, sondern vor allem zu verstehen. Wir sollten das Gedicht hier unbedingt zur Auffrischung dessen, was Allgemeinbildung sein sollte, abdrucken. Denn heute liest es sich ja geradezu wie eine KI-Folgen-Abschätzung.  Oder ist KI die Lösung, die statt Goethe die Menschen hin zu Vernunft und Verantwortung führt?

Patrick: Immer wieder höre ich, dass moderne KI etwa im Gewand von Data Science oder Markennamen wie ChartGPT doch die Antwort darauf sei, wie die Welt besser werden könne. Ich widerspreche dieser Sicht, gerade deshalb, weil ich diese Technik als Forscher und Berater seit Jahrzehnten beobachte und begleite. So kennt Data-Science keine Ethik, und man wird ethisches Verhalten auch nicht programmieren können.

Claus: Dieses Dilemma ist lange bekannt. Hast Du ein aktuelles Beispiel?

Stell Dir vor, Du säßest in einem autonomen Fahrzeug, und plötzlich tauchte eine Gruppe Fußgänger auf und kreuzte den Fahrweg Deines Vehikels ohne dieses zu beachten. Das alles geschieht so schnell, dass ein Unfall mit Verletzten oder zumindest mit Sachschäden unvermeidlich ist. Wie würdest Du als menschlicher Fahrer handelt: Dein Auto vor den nächsten Baum fahren und möglichweise sich selbst verletzen oder mit lautem Gehupe durch die Menschenmenge weiterfahren? Die philosophische Frage dahinter lautet Altruismus versus Egoismus. Nach welchen „pseudo-ethischen“ Regeln sollte ein selbstfahrendes Fahrzeug hier entscheiden?

Claus: Vielen Dank für das Gespräch, aber eigentlich können wir so nicht auseinandergehen. Noch ist die Frage offen, wie sich die Arbeit zwischen Mensch und Maschine neu verteilt. Das Thema ist zu spannend, um es hier nicht weiterzuführen und zumindest im Abstrakten eine Antwort zu geben.

Und – Deine letzte Frage aufgreifend – wer setzt die ethischen Maßstäbe?  Die Assistenzsysteme der Autos werden von Menschen programmiert. Folgen dann Fahrzeuge aus China einer anderen Ethik als Fahrzeuge westlicher Hersteller?

Und wofür werden wir bezahlt? Für regelkonformes Arbeiten? Oder für ethisch-basiertes Handeln aus Verantwortung? Oder für Daten, die wir erzeugen, und mit denen Dritte Wertschöpfung generieren?

Patrick: Gerne gehe ich auf diese Punkte ein, wobei ich mit dem Ethik Aspekt beginnen möchte. Schlägt man diesen Begriff lexikalisch nach, so findet sich u.a. folgende Definition: „Ethik ist ein Teilgebiet der Philosophie, das sich mit dem „rechten“ menschlichen Handeln befasst. Das Wort leitet sich von dem altgriechischen „ethos“ ab, das man mit Gewohnheit, Sitte und Brauch übersetzen kann“. Um mich kurz zu fassen, bleibe ich hier ausschließlich bei dem zweiten Satz dieser Beschreibung, also den Begriffen Gewohnheit, Sitte und Brauch. Als offene Frage formuliert: Kann ein Computer diese Fähigkeiten entwickeln? Falls nein, so kann eine solche Maschine auch kein ethisches Verhalten entwickeln oder einprogrammiert bekommen. Dies ist vollkommen anders bei Prozessen und Entscheidungsstrukturen, für die sich Computer hervorragend eignen. Ich möchte es bei dieser Kurzantwort belassen und zum Schluss noch auf die Frage nach der Neuverteilung von Arbeit eingehen: Überall dort, wo Freiräume gegeben werden, um ethisch / kreativ handeln zu können sind hierfür qualifizierte Menschen notwendig. Überall dort, wo Fliessbandarbeit oder zu eng definierte Prozesse Menschen zu reinen Handlangern machen, sind Maschinen aufgrund ihrer wiederholbaren Genauigkeit vorzuziehen. Diese Neuverteilung von Arbeit benötigt jedoch neue Leadership Modelle, neue Formen der Zusammenarbeit und neue persönliche Qualifizierungen.

Claus: ….. und ganz gewiss auch eine umfassende Bildung, die einem hilft, die Dinge mit einem gewissen Abstand besser, weil gründlciher zu verstehen. Siehe: der Zauberlehrling, mit dem Du Dich in der Abiturprüfung befasst hast, wie Du mir einmal berichtet hast.

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Ganzheitliche Veränderung

Claus: Transformation und Künstliche Intelligenz sind zu Modeworten unserer Zeit geworden – für viele bedeutet es: Nicht nur die Technik wird sich ändern, wird noch mehr von computergestützten Systemen gesteuert und weiter automatisiert, sondern die veränderte Technik wird unser Leben verändern. Aber ist KI wirklich so neu und ganz anders?

Patrick: Ja, es ist richtig, dass sich computergestützte Technik, basierend auf z.B. Deep Learning Algorithmen oder Prompt Engineering – etwa in Produkten wie ChatGPT – bereits heute und künftig vieles in unserem Alltag verändern. Aber reicht das aus, um dies als Transformation zu bezeichnen? Wenn man Marketing betreibt und Slogans liebt, dann kann man das sicher so darstellen. Betrachtet man diesen Begriff im Sinne seiner etymologischen Bedeutung, so braucht es deutlich mehr!

Von Metamorphosen

Claus: Transformare kommt aus den lateinischen Worten trans und formare und heißt umwandeln. Wen oder was wandeln wir um? Und was braucht es dazu?

Patrick: Lasse mich dies an einem anderen viel genutzten Begriff verdeutlichen: Immer wieder höre ich Menschen, die davon reden, dass in Entwicklung oder Gesellschaft ein wichtiger Meilenstein erreicht wurde. Gerne wird in Sonntagsreden dann davon berichtet, dass in diesem Sektor ein ‚Quantensprung‘ erzielt worden sei. – Als Physiker muss ich hier jedes Mal schmunzeln, da für mich Quantensprünge zwar äußerst wichtig, aber zugleich die kleinstmöglichen Sprünge sind.

Übertragen auf den Begriff Transformation erlebe ich etwas Vergleichbares. Wer dieses Wort ausschließlich gleichsetzt mit einer neuen Generation cleverer Anwendungstechnologien, hat den Begriff An sich nicht begriffen und tritt analytisch auf der Stelle: „A Fool with a tool is still a fool“ … Will sagen: Transformation ist mehr als nur neue Technik, sondern muss Ihren veränderten Verhaltenskodex einbeziehen. Wenn Du für sich entschieden hast, ab sofort bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren, statt das eigene Auto zu verwenden, so hast Du weit mehr Transformation vollzogen, als wenn Du künftig eine ChatGPT basierte App zum Emailschreiben verwendest. Warum? Du hast Dein Verhalten grundlegend verändert und bist bereit, einen Preis für Deine Verhaltensänderung zu zahlen, indem  Du Dich z.B. Regen oder Hitze auf dem Fahrrad aussetzt.

Claus: Okay, aber KI wird – zum Beispiel im Beruf – zu macnher Verhaltensänderung führen. Aber wir wollen ja hier über Transformation sprechen. Diese geht also über einen begrenzten technischen Zusammenhang hinaus, sondern verändert das Leben von Individuen, Gruppen, Organisationen und der Gesellschaft. Von wem geht der Impuls zur Veränderung aus? Bin ich – wie im Beispiel mit dem Fahrrad – stets als Individuum gefordert, meinen Beitrag zur Transformation zu leisten und leisten zu wollen?

Patrick: Die Unternehmensberatung McKinsey hat dieses Thema mit Bezug auf die Corporate World im Frühjahr 2023 in einer Dokumentation aufgegriffen und beschreibt genau dieses Phänomen: Transformation wird von vielen als Sammelbegriff genutzt, um auszudrücken, dass man sich als Organisation verändern müsse, um das ganze Marktpotential auszuschöpfen und z.B. mehr Gewinne, mehr Qualität oder mehr Effizienz hervorzubringen. McKinsey redet von der Notwendigkeit, neue Arbeitsweisen, Fähigkeiten und Technologien zu etablieren, um tatsächliche Transformation hervorzubringen und geschäftlich nicht unterzugehen. – Nebenbei bemerkt: die Rede ist im Rahmen dieser Analyse davon, dass weniger als 1/3 der betrachteten Organisationen ihre organisatorischen Leistungen im oben genannten Sinne tatsächlich verbessern. Ebenso wird in dieser Studie darauf verwiesen, dass Organisation bei denen ESG orientiertes Handeln integriert ist, deutlich besser dastehen. Zur Erklärung: ESG steht für die Integration von Ökologischen, Sozialen und Governance orientiertem Handeln. Heruntergebrochen auf uns beide als Individuen heißt das: Transformation ist mehr als neue Gadgets, die ich kaufen kann und die mir suggerieren, dass ich der Umwelt etwas Gutes tue und man daher künstliche Intelligenz verbaut habe. Transformation bedeutet viel mehr, dass Du und ich alte Paradigmen und Handlungsmuster aufgeben, dass wir unseren Kontext neu bewerten und unsere Marschrichtung ändern.

Claus: Ich muss also aktiv einen Veränderungsrozess beginnen oder in ihn einwilligen…..

Patrick: Ja, Transformation fällt genau zusammen mit der Definition von Change Prozessen. Zusammengefasst: Damit Transformation – auch die viel erwähnte Industrielle Transformation – gelingt, braucht es ganzheitliche Veränderung auf allen Ebenen.

Claus: … in die alle Beteiligten auch ganz bewusst einwilligen müssen?

Patrick: …. eigentlich: ja! Wenn der Prozess nicht wirklich gewollt ist oder halbherzig angegangen wird, wird er scheitern.

Claus: Das deckt sich mit meiner Beobachtung und Erfahrung. Zurück zum Thema: Transformation im Sinne von Veränderung: Wie sieht so etwas praktisch aus?

Patrick: Lass mich diese Frage zunächst an zwei Beispielen konkretisieren: Als Senior Managementberater und Leadership Coach habe ich viele Jahre Verantwortliche darin unterstützt, Veränderungen in der jeweiligen Organisation zu etablieren. Dabei ist mir aufgefallen, dass es Verantwortliche gab, die mich dafür bezahlt haben, zum Beispiel Prozesse in Ihrer Organisation neu zu strukturieren, einzuführen und die Mitarbeiter entsprechend zu schulen. Die Manager selbst waren aber nicht bereit, notwendige Veränderungen bei sich zuzulassen. Projekte in dieser Konstellation haben es zwar irgendwie bis zum Ziel geschafft, aber die Ergebnisse waren nicht nachhaltig. Völlig anders sah es in solchen Projekten aus, in denen der Transformationsprozess bei den Verantwortlichen begann, diese sich darauf einließen und so zu Multiplikatoren für andere Mitarbeiter wurden. Veränderungen, die so begannen, haben sich als deutlich nachhaltiger erwiesen. 

Claus: Also kommt es auf das Individuum an – und vor allem auch auf jenes an der Spitze einer Organisation?

Patrick: Transformation – egal ob auf der persönlichen Ebene oder in einer Rolle – muss immer bei mir selbst beginnen. Immerhin: ich kann nur mich verändern – sonst niemanden! Wenn wir diesen Veränderungsprozess an sich zulassen, so ist das Ergebnis in Form von Excellence messbar! Exzellente Produkte als Folge einer Transformation erwarten wir. Steve Jobs hat uns dies mit seinen Apple Produkten klar vor Augen gestellt. 

Claus: Ist Transformation mithin ein strategisches Ziel oder mehr eine Haltung und das Resultat einer Einstellung im Leben?

Patrick: Übertragen auf Deinen und meinen Alltag möchte ich mit einer Definition zum Thema persönlicher Excellence im Kontext von Transformation antworten: „Excellenz ist nicht ein langfristiges strategisches Ziel, sondern dass, was Du in den kommenden 5 Minuten im Kontext Deines Handelns tun wirst“. Wenn man ein wenig über diese Aussage nachdenkt, so verbergen sich dahinter Fragen wie jene: Bin ich in meiner Führungsrolle und meinen charakterlichen Fähigkeiten so aufgestellt, dass meine Mitarbeiter, Kollegen, Geschäftspartner und andere im Anschluss an ein Gespräch sagen: Wow, das war hilfreich, weitsichtig, sinnvoll oder zielführend. Wieviel Raum für persönliche Transformation ist bei Dir vorhanden? Wenn Du für Dich Handlungsbedarf siehst, so schlage ich Dir folgendes vor: Suche Dir für eine gewisse Wegstrecke professionelle Unterstützung in Form eines Coaches oder Mentors, der Dich ganzheitlich darin unterstützt, derartige Themen zu bearbeiten.

Claus: Ja, und es sind vor allem starke Persönlichkeiten, die sich helfen lassen, zumal wenn es darum geht, sich selbst zu reflektieren. Denn die Arbeit an sich selbst ist offenkundig die härteste.

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Claus: Transformation und Künstliche Intelligenz sind zu Modeworten unserer Zeit geworden – für viele bedeutet es: Nicht nur die Technik wird sich ändern, wird noch mehr von computergestützten Systemen gesteuert und weiter automatisiert, sondern die veränderte Technik wird unser Leben verändern. Aber ist KI wirklich so neu und ganz anders?

Patrick: Ja, es ist richtig, dass sich computergestützte Technik, basierend auf z.B. Deep Learning Algorithmen oder Prompt Engineering – etwa in Produkten wie ChatGPT – bereits heute und künftig vieles in unserem Alltag verändern. Aber reicht das aus, um dies als Transformation zu bezeichnen? Wenn man Marketing betreibt und Slogans liebt, dann kann man das sicher so darstellen. Betrachtet man diesen Begriff im Sinne seiner etymologischen Bedeutung, so braucht es deutlich mehr!

Von Metamorphosen

Claus: Transformare kommt aus den lateinischen Worten trans und formare und heißt umwandeln. Wen oder was wandeln wir um? Und was braucht es dazu?

Patrick: Lasse mich dies an einem anderen viel genutzten Begriff verdeutlichen: Immer wieder höre ich Menschen, die davon reden, dass in Entwicklung oder Gesellschaft ein wichtiger Meilenstein erreicht wurde. Gerne wird in Sonntagsreden dann davon berichtet, dass in diesem Sektor ein ‚Quantensprung‘ erzielt worden sei. – Als Physiker muss ich hier jedes Mal schmunzeln, da für mich Quantensprünge zwar äußerst wichtig, aber zugleich die kleinstmöglichen Sprünge sind.

Übertragen auf den Begriff Transformation erlebe ich etwas Vergleichbares. Wer dieses Wort ausschließlich gleichsetzt mit einer neuen Generation cleverer Anwendungstechnologien, hat den Begriff An sich nicht begriffen und tritt analytisch auf der Stelle: „A Fool with a tool is still a fool“ … Will sagen: Transformation ist mehr als nur neue Technik, sondern muss Ihren veränderten Verhaltenskodex einbeziehen. Wenn Du für sich entschieden hast, ab sofort bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren, statt das eigene Auto zu verwenden, so hast Du weit mehr Transformation vollzogen, als wenn Du künftig eine ChatGPT basierte App zum Emailschreiben verwendest. Warum? Du hast Dein Verhalten grundlegend verändert und bist bereit, einen Preis für Deine Verhaltensänderung zu zahlen, indem  Du Dich z.B. Regen oder Hitze auf dem Fahrrad aussetzt.

Claus: Okay, aber KI wird – zum Beispiel im Beruf – zu macnher Verhaltensänderung führen. Aber wir wollen ja hier über Transformation sprechen. Diese geht also über einen begrenzten technischen Zusammenhang hinaus, sondern verändert das Leben von Individuen, Gruppen, Organisationen und der Gesellschaft. Von wem geht der Impuls zur Veränderung aus? Bin ich – wie im Beispiel mit dem Fahrrad – stets als Individuum gefordert, meinen Beitrag zur Transformation zu leisten und leisten zu wollen?

Patrick: Die Unternehmensberatung McKinsey hat dieses Thema mit Bezug auf die Corporate World im Frühjahr 2023 in einer Dokumentation aufgegriffen und beschreibt genau dieses Phänomen: Transformation wird von vielen als Sammelbegriff genutzt, um auszudrücken, dass man sich als Organisation verändern müsse, um das ganze Marktpotential auszuschöpfen und z.B. mehr Gewinne, mehr Qualität oder mehr Effizienz hervorzubringen. McKinsey redet von der Notwendigkeit, neue Arbeitsweisen, Fähigkeiten und Technologien zu etablieren, um tatsächliche Transformation hervorzubringen und geschäftlich nicht unterzugehen. – Nebenbei bemerkt: die Rede ist im Rahmen dieser Analyse davon, dass weniger als 1/3 der betrachteten Organisationen ihre organisatorischen Leistungen im oben genannten Sinne tatsächlich verbessern. Ebenso wird in dieser Studie darauf verwiesen, dass Organisation bei denen ESG orientiertes Handeln integriert ist, deutlich besser dastehen. Zur Erklärung: ESG steht für die Integration von Ökologischen, Sozialen und Governance orientiertem Handeln. Heruntergebrochen auf uns beide als Individuen heißt das: Transformation ist mehr als neue Gadgets, die ich kaufen kann und die mir suggerieren, dass ich der Umwelt etwas Gutes tue und man daher künstliche Intelligenz verbaut habe. Transformation bedeutet viel mehr, dass Du und ich alte Paradigmen und Handlungsmuster aufgeben, dass wir unseren Kontext neu bewerten und unsere Marschrichtung ändern.

Claus: Ich muss also aktiv einen Veränderungsrozess beginnen oder in ihn einwilligen…..

Patrick: Ja, Transformation fällt genau zusammen mit der Definition von Change Prozessen. Zusammengefasst: Damit Transformation – auch die viel erwähnte Industrielle Transformation – gelingt, braucht es ganzheitliche Veränderung auf allen Ebenen.

Claus: … in die alle Beteiligten auch ganz bewusst einwilligen müssen?

Patrick: …. eigentlich: ja! Wenn der Prozess nicht wirklich gewollt ist oder halbherzig angegangen wird, wird er scheitern.

Claus: Das deckt sich mit meiner Beobachtung und Erfahrung. Zurück zum Thema: Transformation im Sinne von Veränderung: Wie sieht so etwas praktisch aus?

Patrick: Lass mich diese Frage zunächst an zwei Beispielen konkretisieren: Als Senior Managementberater und Leadership Coach habe ich viele Jahre Verantwortliche darin unterstützt, Veränderungen in der jeweiligen Organisation zu etablieren. Dabei ist mir aufgefallen, dass es Verantwortliche gab, die mich dafür bezahlt haben, zum Beispiel Prozesse in Ihrer Organisation neu zu strukturieren, einzuführen und die Mitarbeiter entsprechend zu schulen. Die Manager selbst waren aber nicht bereit, notwendige Veränderungen bei sich zuzulassen. Projekte in dieser Konstellation haben es zwar irgendwie bis zum Ziel geschafft, aber die Ergebnisse waren nicht nachhaltig. Völlig anders sah es in solchen Projekten aus, in denen der Transformationsprozess bei den Verantwortlichen begann, diese sich darauf einließen und so zu Multiplikatoren für andere Mitarbeiter wurden. Veränderungen, die so begannen, haben sich als deutlich nachhaltiger erwiesen. 

Claus: Also kommt es auf das Individuum an – und vor allem auch auf jenes an der Spitze einer Organisation?

Patrick: Transformation – egal ob auf der persönlichen Ebene oder in einer Rolle – muss immer bei mir selbst beginnen. Immerhin: ich kann nur mich verändern – sonst niemanden! Wenn wir diesen Veränderungsprozess an sich zulassen, so ist das Ergebnis in Form von Excellence messbar! Exzellente Produkte als Folge einer Transformation erwarten wir. Steve Jobs hat uns dies mit seinen Apple Produkten klar vor Augen gestellt. 

Claus: Ist Transformation mithin ein strategisches Ziel oder mehr eine Haltung und das Resultat einer Einstellung im Leben?

Patrick: Übertragen auf Deinen und meinen Alltag möchte ich mit einer Definition zum Thema persönlicher Excellence im Kontext von Transformation antworten: „Excellenz ist nicht ein langfristiges strategisches Ziel, sondern dass, was Du in den kommenden 5 Minuten im Kontext Deines Handelns tun wirst“. Wenn man ein wenig über diese Aussage nachdenkt, so verbergen sich dahinter Fragen wie jene: Bin ich in meiner Führungsrolle und meinen charakterlichen Fähigkeiten so aufgestellt, dass meine Mitarbeiter, Kollegen, Geschäftspartner und andere im Anschluss an ein Gespräch sagen: Wow, das war hilfreich, weitsichtig, sinnvoll oder zielführend. Wieviel Raum für persönliche Transformation ist bei Dir vorhanden? Wenn Du für Dich Handlungsbedarf siehst, so schlage ich Dir folgendes vor: Suche Dir für eine gewisse Wegstrecke professionelle Unterstützung in Form eines Coaches oder Mentors, der Dich ganzheitlich darin unterstützt, derartige Themen zu bearbeiten.

Claus: Ja, und es sind vor allem starke Persönlichkeiten, die sich helfen lassen, zumal wenn es darum geht, sich selbst zu reflektieren. Denn die Arbeit an sich selbst ist offenkundig die härteste.