Transformation und Ethik

Warum wir viel mehr über die Neuverteilung von Arbeit zwischen Mensch & Technik reden sollten.

Claus: Reden wir mal nicht über große Themen wie das Internet of Things oder KI, sondern nur über Intelligente Technik. Müssen wir allein schon deretwegen über eine andere Arbeitsteilung zwischen Mensch und Maschine nachdenken?

Patrick: Ich stelle Dir eine Gegenfrage: Wann warst Du das letzte Mal über ein technisches Handbuch frustriert, welches Dir eine neue Waschmaschine, Heizung oder ein anderes technisches Gerät erklären sollte? Lupenrein und juristisch korrekt wurde Dir dort erklärt, dass alle gesetzlichen Regularien erfüllt seien und welcher Knopf in welcher Reihenfolge zu bedienen sei. Aus Engineering Sicht sind diese Abhandlungen vollständig und korrekt, da jeder Schalter und jede Funktion genau beschrieben wurden. Für Dich als Nutzer ist aber nicht die Auflistung aller denkbaren Funktionen wichtig, sondern Du möchtest mit diesem Gerät ein Problem lösen ohne vorher Technikexperte werden zu müssen. Um diesem Problem Herr zu werden, setzt sich langsam ein neuer Begriff durch: „Usercentric Experience“: Der Anwender, dessen Bedürfnisse und Anwendungsfälle stehen im Mittelpunkt!

Claus: Ach wirklich? Da sehe ich als Kunde und Nutzer noch viel Potential….

Ja, Hand aufs Herz: Wie oft findet sich – z.B. im beruflichen Alltag – eine derartige „User Experience“? In meiner Tätigkeit als Berater habe ich erschreckend oft zu hören bekommen, dass Anwender – eher Buschkriegern gleich – auf obskuren Pfaden Abkürzungen nehmen, weil die vorhandene Technik lückenhaft oder viel zu umständlich ist: Statt Arbeitsvereinfachung müssen mehr Prozesse oder Dokumentationspflichten verbindlich eingehalten werden …. Mit Blick auf Deine Eingangsfrage: Wird hier Informationstechnik menschenkonform eingesetzt oder wird der Mensch technikkonform gemacht?

Claus: Stimmt. Das frage ich mich auch häufig, etwa wenn immer mehr IT ins Auto einzieht, und man mehr Zeit auf den Bildschirm blickt als auf die Straße. Aber welche Konsequenz ziehen wir hieraus – nicht nur beim Autofahren, sondern im Großen und Ganzen?

Patrick: Mit dem Beginn der Zweiten Industriellen Revolution vor über 100 Jahren zogen Eingangs- und Ausgangskörbchen in viele Büros ein. Heute stehen rechenstarke Computer auf den Schreibtischen und nicht länger Körbchen. Der Mensch ist in seiner Rolle avanciert oder vielleicht auch degradiert, hat einen genau umschriebenen Rollenauftrag und kümmert sich in vielen Fällen nur noch um das, was der Rollenauftrag ihm zubilligt. Dabei bleiben für viele oftmals Mitdenken oder Eigenverantwortung zurück. Immer beliebter wird die Aussage: „Dafür bin ich nicht zuständig!“ – Mit Blick auf diesen realen Alltag: Ist die Arbeitsteilung zwischen Mensch und Maschine wirklich bis zu Ende gedacht? Manchmal schleicht sich bei mir der Gedanke ein, dass wir zwar hochmoderne EDV Anlagen einsetzen, aber immer noch in einer Zeit leben – ähnlich wie vor gut 100 Jahren – in der Sachbearbeiter einen Zettel aus dem nun digitalen Eingangskörbchen entnehmen, die geforderte Aufgabe bearbeiten und dann via digitalem Ausgangskörbchen, an einen ebenso digitalen Laufburschen übergeben. Wenn sich jedoch Gesellschaft und Industrie verändern sollen, so braucht es mehr als nur die direkte Übertragung menschlicher Aufgaben auf digitale Repliken.

Claus: Also lösen wir uns radikal vom Denken in alten Bildern und entwerfen die Welt um uns als Menschen herum auf einem weißen Blatt neu?

Patrick: Es braucht Menschen, die gelernt haben, bestimmte Tätigkeiten an technische Geräte zu delegieren, um so Freiräume für neue Gedanken, Ideen und Vorgehensweisen zu schaffen. – Hier fängt für mich digitale Revolution an: nämlich in Kopf und Haltung der Beteiligten.

Claus: Aber selber denken und handeln! Darf ich das?

Patrick: Viel zu oft – obschon seit langem überholt – gilt immer noch das Geschäftsmodell von Henry Ford: Ich will Deine Hände aber nicht Dein Mitdenken. Ich gebe zu, dass ich bewusst überzeichne. Aber Du hast recht mit Deiner Frage: schau Dich einmal in unserer Wirklichkeit um. Wie oft stoßen wir auf Menschen, die eine Rolle ausüben und uns sehr schnell dann sagen, dass dieses oder jenes außerhalb der eigenen Rollenkompetenz sei, man daher für das angefragte Thema nicht zuständig sei, und im Übrigen man ohnehin nicht wisse, wie dort die Prozesse ablaufen. Aber wenn wir echte Transformation wollen, so braucht es Menschen auf allen Ebenen der beruflichen oder gesellschaftlichen Hierarchie, die aktiv Denken und nicht nur ein kleines Rädchen im großen Prozessgetriebe sind. 

Claus: D’accord! Aber wie erkläre ich das meinem Chef?

Patrick: Wenn wir etwas verändern wollen, so müssen wir als Erstes die Beteiligten bei Ihrem Denken und Handeln anpacken und auf diesem Wege Veränderung vorbereiten. Ohne an dieser Stelle auf die Für- und Wider agiler Handlungsmodelle eingehen zu wollen, möchte ich daher eine weitere Größe ins Spiel bringen: persönliche Reife, verbunden mit ethischem Verhalten. Wenn wir echte Transformation in Gesellschaft, Wirtschaft oder auch Wissenschaft anstreben, so brauchen wir denkende Menschen, die bereit und fähig sind, bedacht, integrativ und ethisch verantwortlich zu handeln. Verzichten wir darauf, so begegnet uns schnell Goethes Faust mit seinem Zauberlehrling: vieles ist machbar – manches ist kontraproduktiv oder in manchen Fällen sogar selbstzerstörerisch. Dies ist dem Sinne nach eine Erkenntnis, die Einstein formulierte, nachdem aufgrund seiner eigenen Arbeiten die Atombombe erst möglich wurde. Von daher brauchen wir – mehr denn je – für diese Zeit des Wandels Personen, die in der Lage sind, ethisch begründete Entscheidungen inmitten eines datengesteuerten industriellen Wandels anzugehen und diese in einem größeren –systemweiten Kontext – zu bewerten.

Claus: Ja, der Zauberlehrling, der einen Besenstil mit einem magischen „Code“ gleichsam programmiert Wasser zu holen und damit eine Überschwemmung auslöst. Als der Lehrling den Besen stoppen will, indem er ihn niederwirft, zerbricht der Stab, und nun schaffen zwei nicht mehr steuerbare Besenstile immer mehr Wasser herbei. Gothe schrieb das Gedicht 1797. Die Verantwortlichen in Unternehmen, Gesellschaft und Politik hatten also lang genug Zeit, die Verse nicht nur zu lesen, sondern vor allem zu verstehen. Wir sollten das Gedicht hier unbedingt zur Auffrischung dessen, was Allgemeinbildung sein sollte, abdrucken. Denn heute liest es sich ja geradezu wie eine KI-Folgen-Abschätzung.  Oder ist KI die Lösung, die statt Goethe die Menschen hin zu Vernunft und Verantwortung führt?

Patrick: Immer wieder höre ich, dass moderne KI etwa im Gewand von Data Science oder Markennamen wie ChartGPT doch die Antwort darauf sei, wie die Welt besser werden könne. Ich widerspreche dieser Sicht, gerade deshalb, weil ich diese Technik als Forscher und Berater seit Jahrzehnten beobachte und begleite. So kennt Data-Science keine Ethik, und man wird ethisches Verhalten auch nicht programmieren können.

Claus: Dieses Dilemma ist lange bekannt. Hast Du ein aktuelles Beispiel?

Stell Dir vor, Du säßest in einem autonomen Fahrzeug, und plötzlich tauchte eine Gruppe Fußgänger auf und kreuzte den Fahrweg Deines Vehikels ohne dieses zu beachten. Das alles geschieht so schnell, dass ein Unfall mit Verletzten oder zumindest mit Sachschäden unvermeidlich ist. Wie würdest Du als menschlicher Fahrer handelt: Dein Auto vor den nächsten Baum fahren und möglichweise sich selbst verletzen oder mit lautem Gehupe durch die Menschenmenge weiterfahren? Die philosophische Frage dahinter lautet Altruismus versus Egoismus. Nach welchen „pseudo-ethischen“ Regeln sollte ein selbstfahrendes Fahrzeug hier entscheiden?

Claus: Vielen Dank für das Gespräch, aber eigentlich können wir so nicht auseinandergehen. Noch ist die Frage offen, wie sich die Arbeit zwischen Mensch und Maschine neu verteilt. Das Thema ist zu spannend, um es hier nicht weiterzuführen und zumindest im Abstrakten eine Antwort zu geben.

Und – Deine letzte Frage aufgreifend – wer setzt die ethischen Maßstäbe?  Die Assistenzsysteme der Autos werden von Menschen programmiert. Folgen dann Fahrzeuge aus China einer anderen Ethik als Fahrzeuge westlicher Hersteller?

Und wofür werden wir bezahlt? Für regelkonformes Arbeiten? Oder für ethisch-basiertes Handeln aus Verantwortung? Oder für Daten, die wir erzeugen, und mit denen Dritte Wertschöpfung generieren?

Patrick: Gerne gehe ich auf diese Punkte ein, wobei ich mit dem Ethik Aspekt beginnen möchte. Schlägt man diesen Begriff lexikalisch nach, so findet sich u.a. folgende Definition: „Ethik ist ein Teilgebiet der Philosophie, das sich mit dem „rechten“ menschlichen Handeln befasst. Das Wort leitet sich von dem altgriechischen „ethos“ ab, das man mit Gewohnheit, Sitte und Brauch übersetzen kann“. Um mich kurz zu fassen, bleibe ich hier ausschließlich bei dem zweiten Satz dieser Beschreibung, also den Begriffen Gewohnheit, Sitte und Brauch. Als offene Frage formuliert: Kann ein Computer diese Fähigkeiten entwickeln? Falls nein, so kann eine solche Maschine auch kein ethisches Verhalten entwickeln oder einprogrammiert bekommen. Dies ist vollkommen anders bei Prozessen und Entscheidungsstrukturen, für die sich Computer hervorragend eignen. Ich möchte es bei dieser Kurzantwort belassen und zum Schluss noch auf die Frage nach der Neuverteilung von Arbeit eingehen: Überall dort, wo Freiräume gegeben werden, um ethisch / kreativ handeln zu können sind hierfür qualifizierte Menschen notwendig. Überall dort, wo Fliessbandarbeit oder zu eng definierte Prozesse Menschen zu reinen Handlangern machen, sind Maschinen aufgrund ihrer wiederholbaren Genauigkeit vorzuziehen. Diese Neuverteilung von Arbeit benötigt jedoch neue Leadership Modelle, neue Formen der Zusammenarbeit und neue persönliche Qualifizierungen.

Claus: ….. und ganz gewiss auch eine umfassende Bildung, die einem hilft, die Dinge mit einem gewissen Abstand besser, weil gründlciher zu verstehen. Siehe: der Zauberlehrling, mit dem Du Dich in der Abiturprüfung befasst hast, wie Du mir einmal berichtet hast.

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Transformation und Leadership

Claus Seit langem beobachte und beschreibe, analysiere und erkläre ich aus journalistischer Perspektive Veränderungsprozesse in Gesellschaft und Wirtschaft – wie zum Beispiel die industrielle Transformation. Letztere gelingt unterschiedlich gut. Denken wir zum Beispiel an die Energiewende oder den Umstieg auf Industrie 4.0: Inwiefern entscheiden die Fähigkeit der Verantwortlichen, ganzheitlich zu führen, sowie die Kultivierung einer guten Kommunikations- und Teamkultur über den Verlauf und Erfolg derartiger Transformationsprozesse?

Patrick: Die von Dir angesprochenen Themenfelder sind für den Erfolg entscheidend und haben eines gemeinsam: liebgewonnene Denkmodelle und Vorgehensweisen müssen vielfach aufgegeben und durch andere Denkweisen und Konzepte ersetzt werden.

Claus: Das klingt einfacher als es ist….

Patrick: Ja, das ist für alle Beteiligten herausfordernd und oftmals verunsichernd. Tatsache ist: um derartige Transformationen umzusetzen, braucht es mehr als nur ein paar neue Maschinen, gute Worte oder Prozeßanpassungen. Um erfolgreich zu sein, sind tiefgreifende Paradigmenwechsel notwendig! – Genau diese aber fangen in den Köpfen aller Akteure an! – Geschieht dies nicht, so belegen aktuelle Untersuchungen – ist die Quote an gescheiterten Projekten erschreckend hoch. In der Konsequenz heißt das: Jedes missglückte Veränderungsprojekt vernichtet viel Kapital und hinterlässt negative Spuren in der Erfahrung aller Beteiligten.

Claus: Heißt das, die angestrebte Transformation und ihr Sinn müssen erläutert und die sozialen Organisationen klug durch diesen Prozess geführt werden?

Patrick: Ja, denn die Realisierung derartiger Veränderungen bedingt tiefgreifende Eingriffe in den Alltag jeder Organisation und ist meist äußerst anspruchsvoll. Organisationen müssen durchgängig ihr Tagesgeschäft leisten und zeitgleich vieles weitreichend verändern. Dies setzt ein hohes Maß an Führungsqualität, Erfahrung und Weitsicht voraus. Selten kann das aus eigenen Ressourcen geleistet werden. Aus diesem Grunde entscheiden sich viele Organisationen, hierzu qualifizierte Change Begleitung an Bord zu nehmen, die nicht nur fachlich berät und unterstützt, sondern im ganzheitlichen Sinne die Führungsmannschaft fit macht, damit diese ihren neuen Rollenanforderungen gerecht werden kann.

Claus: Wie gestalten externe Change-Begleiter einen Transformationsprozess erfolgreich?

Patrick: Stell Dir ein Szenario vor, in dem Führungskräfte zunächst ihre Teams mit der gemeinsamen Vision, wie auch ihren praktischen und ethischen Grenzen – zum Beispiel bei KI Einführung – inspirieren. So wird ein Umfeld gefördert, in dem von vornherein offene Kommunikationskanäle etabliert werden: Unterschiedliche Perspektiven können gehört und Anregungen aus der Mitarbeiterschaft in die Strategiefindung einbezogen werden. Für die Experten unter den Lesern: Konzepte, wie etwa die ‚Lernender Organisation‘ oder Aspekte aus dem Klassiker ‚Theory U‘ geben hier wertvolle Anregungen. Mit Blick auf die Mehrheit der Beteiligten wächst die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen und proaktiv Verbesserungspotentiale aufzuzeigen. Auf diese Weise entstehen an vielen Stellen Teams, in denen Vertrauen, Kreativität und Synergien zwischen den einzelnen Mitarbeitern gefördert werden. Innovation und Weiterentwicklung etablieren sich so im Laufe der Zeit als Unternehmenskultur.

Claus: Es braucht also Vertrauen, Ermutigung und Inspiration. So wie Antoine de Saint-Exupéry gesagt hat: Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer…

Patrick: Ja, genauso ist es. Es geht um eine gemeinsame Vision, und gemeinsam begeben wir uns auf den Weg, diese Vision zu entwickeln und in Projekten umzusetzen. Wir wollen gemeinsam ein Ziel erreichen.

Claus-Peter: Für Betroffene von gescheiterten Transformationsprozessen klingen Deine Worte vermutlich unglaublich und im besten Falle faszinierend. Bitte erkläre mir, warum und wie diese miteinander verwobenen Elemente zum Erfolg derartiger Transformationen beitragen?

Patrick: Der Zauber liegt im Zusammenspiel von Führung, Ethik, Kommunikation und Teambildung, verbunden mit geeigneten Methoden und gezielten Weiterbildungen. Wenn Führungskräfte ethische Werte vorleben, ein Rollenverständnis als ‚dienende Leiter‘ tatsächlich praktizieren und so zum Beispiel eine transparente Kommunikation ermöglichen, dann schafft dies solide Grundlagen für eine verantwortungsvolle Entwicklung und Einführung der neuen Technologien und Denkweisen. Die Etablierung einer inspirierenden Kommunikationskultur hat dabei eine zentrale Bedeutung, da sie sicherstellt, dass alle Beteiligten die Vision, die Ziele und die Werte verstehen. Durch gemeinsame Ziele verstärken Teams Innovation und Zusammenarbeit, was zu Lösungen führt, die gesellschaftliche Bedürfnisse erfüllt und gleichzeitig die Risiken minimieren.

Claus: Dies erscheint wie ein kompliziertes Geflecht aus Führung, Werten, Kommunikation und Teambildung, das den Verlauf derartiger Transformationen prägt. Was müssen Manager konkret tun, um ihr Unternehmen und ihr Team erfolgreich durch derartige Entwicklungen navigieren zu können,  – um bei der Sehnsucht nach dem weiten Meer zu bleiben?

Patrick: Manager sind dafür verantwortlich, daß eine Kultur der offenen Kommunikation und Motivation entstehen kann, in der Ideen frei fließen und jeder eine Stimme hat. Mit Blick auf ihre Teams besteht eine wesentliche Aufgabe darin, ein wertegeprägtes Umfeld zu fördern und Mitarbeiter zu befähigen, verantwortungsvolle und ganzheitliche Entscheidungen eigenverantwortlich zu treffen. Auf diese Weise werden Manager zu Persönlichkeiten, deren primäre Aufgaben darin bestehen, zu moderieren, anzuleiten, Steine aus dem Weg zu räumen und sicherzustellen, dass es zu keinen technisch-fachlichen Bruchlinien mit anderen Teams und Abteilungen kommt. Fachlich qualifizierte Teams gilt es, in ihrer Zusammenarbeit weiterzubringen und ihnen realisierbare Ziele aufzuzeigen. Bewährt hat sich dabei, dass versierte Coaches oder Mentoren von außerhalb in diesen Transitionsprozess einbezogen werden, die über ausreichende breite Führungs- und Methodenerfahrung verfügen. Mit derartig mehrdimensionalen Ansätzen können Manager das wahre Potenzial der eigenen Organisation heben, es in Mitarbeitern, Produkten und Produktion freilegen und so den Weg in eine Zukunft ebnen, in der werteorientierte Effizienz, Innovation und Exzellenz die eigene Organisation prägen.

Claus: Mit Verlaub, das klingt sehr theoretisch. Kannst Du das bitte an einem Beispiel konkretisieren, wie dies praktisch aussieht …

Patrick: Gerne! Lass mich das Ganze an einem selbsterlebten Fall deutlich machen: Der Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens hört auf einen seiner Junior Mitarbeiter und dessen Anregung, Deep-Learning basierte Produkte zu entwickeln, zu produzieren und später zu vermarkten. Statt dies abzutun, auf mögliche Risiken zu verweisen oder das Ganze zu ignorieren, gibt er zunächst dem Mitarbeiter Raum seine Ideen weiter zu konkretisieren, unterstützt ihn in diesem Prozess und protegiert dessen Arbeit vor Dritten. Er bezieht schrittweise die eigene – teilweise recht kritische – Führungsmannschaft mit ein und leistet Überzeugungsarbeit, dafür weitere Schritte in der eigenen Organisation zu gehen. Langsam entsteht eine Offenheit unter den Skeptikern, die sich schrittweise in aktive Unterstützung des KI Projektes verwandelt. Das hier beschriebene Fallbeispiel fand mit gelegentlicher Unterstützung des Geschäftsführers durch einen externen Mentor statt. Es gab dem Geschäftsführer die Chance, die eigene Vorgehensweise mittels einer externen Person zu reflektieren und dessen Expertise im Sinne eines Soundingboards zu nutzen.

Claus: Und wer beweist nun Leadership? Der externe Mentor, weil der – wie ein Lotse – den Überblick und die Erfahrung hat, oder der Geschäftsführer, der die eigenen Grenzen kennt, und einen Partner sucht, um diese zu überwinden?

Patrick: Leadership ist eine erlernbare Fähigkeit, Mitstreiter oder ganze Teams – auch im außerberuflichen Kontext – zu motivieren und dafür zu sorgen, dass Sie über sich selbst hinauswachsen. Kurz: eine Rolle, die derjenigen eines guten Mannschaftscoachs im Sport sehr nahekommt. Und der gute Mannschaftscoach weiß, dass er selbst einen guten Coach braucht, um diese essentielle Fähigkeit zu erlernen.

ClausDu, Patrick, siehst Dich als Lotse, der das Management durch einen Veränderungsprozess führt. Nenne mir bitte drei Leitfragen, mit deren Hilfe Du auf Deine Art spezifisch, anspruchsvoll und vor allem erfolgreich warst?

PatrickIch nenne beispielsweise die Aus- und Weiterbildung von Leitern: Wie bildet man gestandene Leiter aus ganz unterschiedlichen Hintergründen und Organisationen so weiter, dass sie nicht nur Methoden und Techniken erlernen, sondern ihre eigene Einstellung reflektieren und ein persönlicher Transformationsprozess angestoßen wird?

Es hilft, den Horizont zu erweitern. Als akademischer Ausbilder gerade auch außerhalb des eigenen Kulturkreises kann man über den eigenen Tellerrand schauen. Trotz ähnlicher Inhalte bilden andere Kulturen oftmals anders aus, als wir es tun. Wie lässt sich daher eine kulturelle Synthese aus Best Practices mit dem zu vermittelnden Lehrstoff so kombinieren, dass die Mehrzahl der Studenten nicht nur fit für eine theoretische Prüfung sind, sondern eigenverantwortliches und ganzheitliches Handeln in ihrem Fachthema erlernen?

Große weltweit agierende Organisationen sind faszinierend, aber oftmals in ihren Arbeitsmethoden ineffizient und aufgrund langer Prozesswege nicht sehr innovationsfreudig. Wie lassen sich Produktionsprozesse so transformieren, dass die Qualität deutlich steigt, zugleich aber Entwicklungskosten und -dauer reduziert werden? Welche Rolle spielen dabei Agilität, Ganzheitlichkeit und  Teamentwicklung?

ClausPatrick, wo kann ich mehr über Deine Arbeit erfahren?

Patrick: Ich habe an verschiedenen Hochschulen gelehrt, über längere Zeit für einen global Player gearbeitet und viele Leadership Trainings abgehalten. Hier ist ein Link, der zu Informationen über mich und meine Arbeit führt……   Wichtig ist aber eines: Da ich selbst ein Teamplayer bin, sind derartige Projekte nur dann erfolgreich, wenn engagierte Mitstreitern in solch einem Team mitspielen.